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Begleiten statt beurteilen - Schule ohne Noten

Noten können der Komplexität des individuellen Lernweges in vieler Hinsicht nicht gerecht werden und fast alle Tätigkeiten entziehen sich einer benotenden Bewertung.

Da sind z. B:

  • die Entwicklung sozialer Kompetenzen, wie Umgangsformen und Pflege der Kontakte untereinander, individuelle Lösungsfindungen der unterschiedlichsten Problemstellungen aus dem schulischen Alltag heraus – kurz: Teilnahme an einer gelebten Demokratie.
  • die Entstehung von speziellem Fachwissen, das sich der Jugendliche aus eigener Motivation heraus angeeignet hat und auch ausübt.
  • das Übernehmen von Aufgaben für den schulischen Ablauf in eigenverantwortlicher Ausübung.
  • mannigfaltige eigene Kleinstprojekte wie z. B. spontane naturwissenschaftliche Experimente oder das selbständige, gegenseitige Anleiten von Trapez-Artistik oder „Snakeboard“-Fahren ganz ohne Erwachsene.

Zu den Argumenten gegen Noten gehört auch, dass sie als nur scheinbar objektives Messinstrument unter anderem Konkurrenzdenken und Minderwertigkeitsgefühle erzeugen.

Darüber hinaus sind die Rechenoperationen, die mit Noten veranstaltet werden grundsätzlich ungerecht und unsinnig, denn weder sind die Notenwerte untereinander geeicht (der Abstand zwischen 2 und 3 entspricht oft nicht dem Abstand zwischen z.B. 5 und 6), noch sind die Zuordnungen von Noten zu Leistungen von Schülern über Parallelklassen, Schulen, Städte oder gar Bundesländer hinweg gleich.

Wir lehnen es ab, Leistungen an starren Kriterien zu messen. Der Glaube, Heranwachsende bräuchten Druck zum Lernen, ist nach aktueller Forschungslage (siehe Brügelmann, 2006, „Sind Noten nützlich und nötig?“) längst widerlegt. Weiterführende Literatur hierzu findet sich bei Karl-Heinz Ingenkamp (1977) „Die Fragwürdigkeit der Zensurengebung“.

Zu dem an der Kapriole gelebten Gegenmodell gehört es, dass jedes Teammitglied ca. 10 Kinder/Jugendliche als Vertrauensperson betreut. Mit diesen führt er/sie - in regelmäßigen Abständen (6-8 Wochen) individuelle Beratungs- und Lerngespräche.

Am Ende des Schuljahres bekommt jedes Kind eine Dokumentation in Form einer Jahresmappe. An der Erstellung der Jahresmappe können sich alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen beteiligen. Zusätzlich erhält jedes einzelne Kind bzw. jeder Jugendliche einen persönlichen Brief von seiner Vertrauensperson.

Hier ist ein Auszug zum Thema aus der wissenschaftlichen Expertise der Univ. Siegen und des Grundschulverbandes von 2006 zu finden.

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